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| Volkstanz auf frischem Lehmboden |
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KREBSFÖRDEN - Wilhelm-August Stender
bugsiert mit einem Traktor einen großen Sack Lehm durch die
Eingangstür: "Dat oll’ Hus" in Krebsförden erhält derzeit einen neuen
Lehmfußboden. "Besucher haben schon geschimpft", sagt Stender und
lächelt verschmitzt. Das Familienmuseum lädt seit 15 Jahren zu vielen
Veranstaltungen mit historischer Note ein. Nur der alte Lehmboden - über
300 Jahre alt - störte dabei oft. Tische wackelten, Stühle standen
nicht sicher. Das soll sich jetzt ändern. Mit Rico Gehrke haben die
Stenders endlich einen Experten gefunden, der den Boden so verlegen
kann, wie es auch Handwerker im 17. Jahrhundert getan hätten. Der
37-Jährige aus Dorf Mecklenburg machte sich vor knapp drei Jahren
selbstständig: Arbeit mit Naturbaustoffen. "Der Lehmbauer" steht an
seinem Transporter; die Auftragslage sei gut. Rico Gehrke
verteilt den Lehm mit Harke und Schieber im Haus, glättet, dann rüttelt
er ihn fest. "Das ist nur Lehm, Ton, Sand", sagt er. 70 Quadratmeter -
etwa eine Woche dauere das Rausreißen des alten und das Einbringen des
neuen Lehmbodens. Handarbeit wie im Jahre 1671, aus dem der frühere
Untergrund vermutlich stammte. Den Rest muss die Zeit erledigen: Da der
Lehm härten muss, können in den kommenden Monaten keine Besucher in
"Dat oll’ Hus". Viele Ausstellungsstücke, die Leben und Arbeit vor
Jahrhunderten dokumentieren, haben Ilse (74) und Wilhelm-August Stender
(76) bereits in ihrem Wohnhaus verstaut. Ilse Stender steht
mit Kittelschürze in ihrer Küche und kocht Kartoffeln. Mit einem Messer
prüft sie, ob das Gemüse gar ist. Dann setzt sie sich hin und hält einen
Vortrag in Geschichte. Im Sommer führt die Rentnerin Jahr für Jahr rund
2000 Besucher durch das Museum, das Niederdeutsche Hallenhaus in
Ständerbauweise - entstanden in den Jahren 1670/71. Touristenbusse
stoppen hier und blicken unter das Reetdach in der Dorfstraße. "Wenn
zwei Besucher kommen, kriegen sie auch eine Führung", so Ilse Stender. Fast
von Beginn an habe die Familie hier gelebt, bis die Urgroßeltern
Wilhelm-August Stenders das benachbarte neue Wohnhaus errichteten. "Am
4.11.1883" nennt er das Datum immer wieder, so als ob er dabei gewesen
wäre. Im 18. Jahrhundert sei das Haus ausgebaut worden, um die
Lebensqualität zu verbessern, 1945 mussten dort Flüchtlinge unterkommen -
bis die LPG das Gebäude der Familie als Abstellraum nutzte.
Wilhelm-August Stender erzählt darüber, wie sein Vater den Regierenden
die viereinhalb Hektar rund um den Hof in der Zeit der sozialistischen
Kollektivierung abtrotzte. Nach der Wende bekam die Familie alles
zurück, sanierte, baute aus. "Zuletzt stand nur noch das alte Haus wie
eine zerzauste Henne daneben", erinnert sich Ilse Stender. Die
Reetschicht auf dem Dach sei nur noch dünn gewesen; Wände bogen sich.
Ihr Mann plauderte gegenüber "einem neugierigen Journalisten" von
möglichen Plänen: Die Idee war geboren. 1995 eröffnete die
Familie dann das Museum: ein Kleinod, das bäuerliche Lebensweise der
Vergangenheit eingefroren hat. Ehrenamtlich hält das Paar die Türen
seither offen - und betreibt dazu eine kleine Landwirtschaft. Vor fünf
Jahren ließen die Stenders eine verfallene Fachwerkscheune aus dem Dorf
auf ihrem Grundstück in neuer Pracht wiedererstehen. Ein weiteres
Projekt wartet in Pampow: Dort haben sie ein Gebäude restaurieren
lassen. "Das Geburtshaus meiner Mutter", sagt Wilhelm-August Stender.
Als es verkauft werden sollte, habe er nicht widerstehen können. Der
Lehmfußboden ist ein weiterer Meilenstein für das Museum der
Krebsfördener Familie. Es musste sein. "Ich habe 15 Jahre lang
ausgefegt", sagt Ilse Stender. "Jedes Mal habe ich einen
Zehn-Liter-Eimer voll gehabt." Sie plant bereits, wie ab April wieder
das Leben dort toben wird: Vorträge, Volkstanz, Blasmusik. |
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